Freitag, der 2. Januar 2015
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Zeitung, so auch die Süddeutsche, muss sich stetig verändern und doch irgendwie bleiben, wie sie ist. Ändert man zu viel, dann ärgern und beschweren sich Leserinnen und Leser, weil man ihnen etwas Wichtiges, nämlich Gewohnheit und Ordnung, wegnimmt. Ändert man zu wenig, wirkt eine Zeitung bald altbacken und unmodern. Unmodern sind wir zwar bisweilen gerne, weil wir glauben, dass es wichtig ist, nicht jeder Mode nachzulaufen und Traditionen zu pflegen. So veröffentlichen wir, ganz altmodisch, bis heute auf der Meinungsseite jeder Ausgabe eine Karikatur – ein Brauch, den viele Zeitungen, so sie ihn denn je pflegten, längst abgeschafft haben.

In den vergangenen Monaten haben wir in der Redaktion aber jede Menge verändert. Wir haben intensiv darüber diskutiert, wie wir als Zeitung darauf reagieren sollen, dass die Lesegewohnheiten heute ganz anders sind als vor zehn oder zwanzig Jahren. Zum einen nehmen sich viele Menschen am Wochenende mehr Zeit als früher, um sich zu informieren und dabei auch gut zu unterhalten – sie lesen mehr, auch mehr Zeitung. Deshalb haben wir Mitte Oktober unsere neue Wochenendausgabe gestartet, die eine Mischung bieten soll aus Aktuellem, Hintergrund, Analyse und, eben, Kurzweiligem. Die Rückmeldungen der ersten zehn Wochen sind für uns ermutigend. Die neue Süddeutsche Zeitung am Wochenende kaufen mehr Menschen als die bisherige Wochenend-SZ, pro Ausgabe sind es bislang jeweils mehrere Tausend.

Zum anderen, und das ist mittelfristig wohl die noch größere Veränderung, informieren sich viele, nicht nur Jüngere, mittlerweile zuerst im Netz. Zwar wissen wir, dass sich eine beträchtliche Zahl der Stammleserinnen und Stammleser der SZ ausschließlich der gedruckten Zeitung bedient und beispielsweise Süddeutsche.de wenig oder gar nicht nutzt (umgekehrt gilt das übrigens genauso), dass also die Zahl der „Überschneidungsleser“, wie das im Marketing-Deutsch heißt, vergleichsweise gering ist. Trotzdem wird das Bedürfnis wachsen, im Netz möglichst viel SZ zu finden und dort – neben der schnellen Information – noch mehr Erklärendes, Einordnendes, Kommentierendes und Exklusives von Autoren der Süddeutschen Zeitung zu entdecken.

Um das hinzubekommen, verändern wir gerade in der Redaktion sehr viel, ohne dass Sie das als Leserin, als Leser mitbekommen. Wir sind dabei, aus zwei sehr unterschiedlichen Redaktionen (Print und Online), die bislang weitgehend getrennt gearbeitet haben, eine zu formen – und zwar so, dass dabei hoffentlich nichts verlorengeht, sondern etwas fruchtbares, kreatives Neues entsteht. Wie dies gehen kann, darüber haben wir im abgelaufenen Jahr heftig diskutiert, manchmal auch gestritten und werden am Ende ein, so denken wir, gutes Ergebnis erreichen.

In dieser einen Redaktion werden weiterhin Menschen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, Charakteren, Stärken, Schwächen, Kenntnissen und Interessen sitzen, die sehr Unterschiedliches können und in unterschiedlicher Geschwindigkeit arbeiten. Es muss nicht jeder Reporter mit dem iPhone oder einer Kamera Videos drehen oder jeder Redakteur, der präzise und schnell Texte zu bearbeiten und Überschriften zu formulieren vermag, eine 400-Zeilen-Reportage schreiben können. Im Moment lernen viele Print- von den Online-Kollegen, wie schnell und originell man sein muss, um im Netz Aufmerksamkeit zu finden. Onliner lernen von Printlern unter anderem, dass Langsamkeit kein Mangel sein muss, sondern der Verständlichkeit, Genauigkeit und Lesbarkeit von Texten dienen kann.

Dieses Zusammenwachsen zu einer Redaktion, die eine hervorragende Zeitung erstellt und eine sehr gute Seite im Internet, ist unsere große Aufgabe für 2015.

Wenn das gelingt, woran wir derzeit arbeiten, werden Sie unter Süddeutsche.de in ein paar Monaten eine andere Seite sehen als heute. Sie wird schnell sein, wie bisher. Aber Sie werden dort künftig viel mehr schmökern können – auch in Texten, die Sie derzeit nur in der gedruckten Zeitung finden oder in der abgeschlossenen WebApp: die Seite-Drei-Geschichte über den Komiker Olli Dittrich, das Streiflicht, das große Interview mit Manuel Neuer, das Buch Zwei zum geheimen Innenleben des Islamischen Staates. Einiges auf Süddeutsche.de können Sie weiterhin kostenlos lesen, für den Rest werden wir Sie jedoch bitten zu bezahlen – so wie Sie das seit jeher für die gedruckte Zeitung tun. 

Guter Journalismus kostet Geld, ob auf Papier oder im Netz. Ich hoffe, er ist es Ihnen dann auch im digitalen Zeitalter wert.

Ich wünsche Ihnen ein gutes, gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr.

Herzliche Grüße


Wolfgang Krach
Stellvertretender Chefredakteur

 

 
 

Immer mehr Deutsche arbeiten, obwohl sie das Rentenalter erreicht haben. Weil sie es wollen, oder weil sie es müssen. Das Buch Zwei nimmt sich dieses Trends an und schaut auf die sich wandelnde Welt der Arbeit mit Essays von zwei Autoren, die Jahrzehnte trennen: Hermann Unterstöger, 72, und Cornelius Pollmer, 32. Außerdem kommen in diesem großen SZ-Schwerpunkt Menschen zu Wort, die erzählen, warum sie jenseits der Altersgrenze als Tänzerin, Kaminverkäufer, Surflehrer oder Schauspieler weiterarbeiten.

Schon wieder wählen die Griechen ein neues Parlament, schon wieder blickt Europa beunruhigt in den Süden, denn der Ausgang der Abstimmung in drei Wochen kann die ganze Euro-Rettung gefährden. Dabei haben die meisten Griechen von der ewigen Krise genug, sie wollen gar nicht wählen. Christiane Schlötzer erklärt in einer großen Reportage, was in dem Krisenstaat in den vergangenen Wochen passiert ist. Dazu hat sie mit Politikern, Beamten und auch einer Künstlerin gesprochen, die sagt: "Im Auge des Zyklons ist es still".

Elefanten wirken nett und sind doch lebensgefährlich. Früher waren sie zumindest in Asien unentbehrlich – im Krieg, beim Bau von Palästen und sogar als Scharfrichter. Heute sind sie vom Aussterben bedroht. Der 1939 geborene Elefantenexperte Fred Kurt zieht im großen Interview im Wissens-Ressort eine Bilanz seines Forscherlebens und verrät, wie man die Beziehung zwischen Mensch und Dickhäuter verbessern könnte

Viele glauben, dass es Argumente für und gegen die Todesstrafe gibt. Das ist falsch. Alle Argumente für die Todesstrafe sind widerlegt. Todesstrafe ist nichts anderes als staatlicher Mord. In einem zivilisierten und säkularisierten Rechtsstaat kann es keine Todesstrafe geben, schreibt Evelyn Roll in ihrem Essay für das Ressort Gesellschaft.

Acht Jahre arbeitete Nikolaus Piper als SZ-Wirtschaftskorrespondent in New York. Zum neuen Jahr zieht er Bilanz: Amerika steht viel besser da, als seine Kritiker glauben. Seine Wirtschaft wird auf nicht absehbare Zeit dominierend bleiben in der Welt. Die entscheidenden Vorteile der USA: Das Land ist hoch innovativ, Einwanderung funktioniert, trotz aller Probleme, und vor allem ist Amerika eine offene Gesellschaft.

 

 
 

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